Der Werdenfelser Weg -

Reduzierung von Fixierungen in der Pflege

Die Angst zu stürzen ist groß. Bei Bewohnern, Angehörigen, Pflegekräften, Ärzten und sogar Richtern bestehen große Unsicherheiten, wie man mit dieser Gefahr umgehen soll. Das Argument ist meistens: „Die Betroffenen müssen beschützt werden!“ Und so entscheiden sich täglich Betreuer, Ärzte und Richter dazu, den Betroffenen „einzusperren“. Vom Bettgitter über Medikamente, festgestellte Rollstuhlbremsen, Trickschlössern, persönliches Aufhalten von Menschen, die nach draußen möchten bis hin zur Fixierung mit Gurten am Pflegebett reichen die Maßnahmen, die angeblich den Menschen vor einem Sturz schützen sollen und haftungsrechtliche Konsequenzen minimieren sollen.

 

Dabei ist jede freiheitsentziehende Maßnahme ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen. „Die Freiheit der Person ist unverletzlich“ heißt es in unserem Grundgesetz im Art. 2 Abs. 2. Des Weiteren ist nicht nachgewiesen, dass freiheitentziehende Maßnahmen Stürze vermeiden. Das Gegenteil ist der Fall. Das Risiko zu stürzen nimmt mit einer freiheitsentziehenden Maßnahme drastisch zu, da der Mensch immobilisiert wird. Durch fehlende Bewegung baut die Muskulatur ab, die Kraft, das Gleichgewicht und die Orientierung sind nicht mehr vorhanden. Die psychische Belastung ist extrem.

 

Wir sind entschlossen!

  • Wir wollen die Freiheit für Sie!
  • Wir wollen freiheitentziehende Maßnahmen vermeiden!
  • Wir wollen mit Ihnen, den Ärzten und den Richtern in den Austausch kommen!
  • Wir wollen Sie beraten und informieren!
  • Wir wollen mit Ihnen die Sorge vor Sturzereignissen thematisieren!
  • Wir wollen gemeinsam im Einzelfall nach Alternativen suchen!
  • Wir wollen mit Bewegung, Freiheit und Lebensfreude das Sturzrisiko minimieren!

Der „Werdenfelser Weg“, auf den wir uns haben schulen lassen, hilft uns dabei!

Der „Werdenfelser Weg“ ist ein verfahrensrechtlicher Ansatz im Rahmen des geltenden Betreuungsrechts, um die Anwendung von Fixierungen und freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) wie Bauchgurte, Bettgitter, Vorsatztische in Pflegeeinrichtungen zu reduzieren. Er setzt am gerichtlichen Genehmigungsverfahren nach § 1906 Abs. 4 BGB an, mit der gemeinsamen Zielsetzung, die Entscheidungsprozesse über die Notwendigkeit freiheitsentziehender Maßnahmen zu verbessern und Fixierungen auf ein unumgängliches Minimum zu reduzieren.

 

Der „Werdenfelser Weg“ bemüht sich um eine Abkehr vom starren Sicherheitsdenken und hin zu einem verantwortungsvollen Abwägen aller Aspekte. Er entfaltet seine Wirkung dadurch, dass er auf bewusste verantwortungsvolle Veränderung der Pflegekultur setzt und dabei Gerichte und Behörden auf die stationäre Pflege zugehen. Leider ist in der Region Hannover diese Situation nicht gegeben. Aus diesem Grund geht die Initiative von uns, dem Haus Gehrden, aus. Wir gehen auf die Gerichte und Behörden zu. Wir wissen, dass unser Engagement, gemeinsam mit den Betreuern, Ärzten und den Betreuungsgerichten auf das Ziel der weitgehenden Vermeidung von Fixierungen hinzuarbeiten, zu einer Öffnung aller Professionen, zu einem Wissensaustausch und auch zu einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme in jedem Einzelfall führt.

Der „Werdenfelser Weg“ wurde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen vom Leiter der örtlichen Betreuungsbehörde, Josef Wassermann, und Amtsrichter, Sebastian Kirsch, entwickelt.

 

Der Werdenfelser Weg ist darüber hinaus auch ein Weg bundesweiter Vernetzung von beteiligten Professionen. Derzeit sind ca. 160 Betreuungsrichter aus allen Teilen der Bundesrepublik, ca. 60 Mitarbeiter von Betreuungsbehörden und Heimaufsicht, etwa 300 bereits ausgebildete spezialisierte Verfahrenspfleger, und weitere Pflegefachleute und Rechtsanwälte über das insoweit immer noch federführende Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen miteinander vernetzt und tauschen regelmäßig in kurzen Abständen Sachinformationen aus. So hat sich der Werdenfelser Weg auch zu einer Informationsplattform für alle beteiligten Professionen bundesweit entwickelt.

 

Quellen:

Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege, 1. Aktualisierung 2013, Deutsches netwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

http://www.justiz.bayern.de/gericht/ag/gap/daten/02939/

http://www.leitlinie-fem.de/werdenfelser-weg/

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