Chronik des Haus am Königsmoor und des Haus Gehrden aus der Sicht von Thomas Hust

Im Jahr 1962 wurde Bremen von der großen Sturmflutkatastrophe getroffen. Diese richtete auch Schäden an dem Haus in Bremen Huchting an, in dem meine Eltern mit ihren 6 Kindern zur Miete wohnten. Nach Beseitigung der ersten Schäden trafen meine Eltern die Entscheidung, ein Eigenheim zu bauen. Wegen der guten Anbindung nach Bremen, der Nähe zur Autobahn und des günstigen Baulandes wurde ein Grundstück in Oyten Sagehorn gekauft.

 

Kurze Zeit später startete der Bau des Hauses mit viel Eigenengagement, um 1963 bezugsfertig zu sein. In das für die Großfamilie geräumig geplante Haus sind dann aber nur meine Eltern mit zwei Kindern und einem Säugling (meine älteren Geschwister und ich) eingezogen. Meine anderen Geschwister waren schon in ihr eigenes Leben gestartet. Dadurch war erheblicher Wohnraum frei und unsere damalige Nachbarin, Frau Tschäge, gab den Ratschlag, ein Altenheim zu eröffnen.

 

Da meine Eltern ein Zubrot zu dem Gehalt meines Vaters, der zu dieser Zeit bei der Firma ’Eisen und Draht’ in Bremen tätig war, gut gebrauchen konnten, meldete meine Mutter im August 1963 ein Altenheim an.

 

Alsbald zogen die ersten Bewohner (es gab 14 Plätze) ein. Dies beeinflusste auch mein Leben. Auf der einen Seite war immer jemand zur Hilfe da, der mir z.B. mein Kettcar aus dem Keller raus trug. Andererseits jedoch lernte ich die Schattenseiten des Lebens kennen, wie Alkoholismus oder psychisch- oder körperlich behinderte Menschen. Mit Trauer musste ich lernen umzugehen, wenn ein liebgewonnener Mitbewohner verstorben war. Meine Eltern gingen den Aufgaben im Heim mit einer 24-Stunden-Bereitschaft für Notfälle und großer Leidenschaft nach.

 

Gegen Ende der 60er Jahre war die Arbeit für meine Mutter so viel geworden, dass eine Entscheidung über den Fortbestand getroffen werden musste. Zwischen den Optionen, den Heimbetrieb einzustellen oder das Haus in soweit zu vergrößern, dass das Einkommen für die ganze Familie ausreicht, musste eine Entscheidung getroffen werden. Erfreulicherweise fiel diese auf die Erweiterung des Hauses.

 

1970 wurde mit dem Bau des Hauses 2 begonnen. Nachdem der Bauunternehmer während der Rohbauphase in den Konkurs ging und die Baustelle ein Jahr stillstand, konnte der Neubau 1972 endlich feierlich eingeweiht werden. Dieser war zu damaligen Verhältnissen recht großzügig gestaltet, denn alle Zimmer hatten eine eigene Nasszelle mit Dusche und einen eigenen Balkon. Aus den anfänglichen 14 Plätzen wurden so 114 geschaffen. Auch wir als Familie zogen vom Spitzboden des alten Hauses in die Räumlichkeiten des neuen Hauses (heute Verwaltungsbereich im Haus 2).

 

Um die Angebotsvielfalt zu erweitern, wurde Ende der 70er Jahre ein Therapiezentrum geplant. Dies umfasste zugleich zwei neue Wohnbereiche für 64 Bewohner und wurde 1982 in Betrieb genommen. Im selben Zeitraum wurde das benachbarte Altenheim von der Familie Motulla gekauft, umgebaut und durch einen Verbindungsgang an das Haus 1 angebunden. Somit erweitert sich die Gesamtkapazität auf 193 Plätze.

 

Für einen höheren Komfort und Service, wurden die Anzahl der Plätze im Jahr[I1]  auf 142 reduziert. Außerdem wurde aus dem damaligen Heim ein Alten- und Pflegeheim, um auch nach dem neuen Gesetz pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause bieten zu können.

 

Nach meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann habe ich mich nach längerer Überlegung dazu entschlossen, am 01.08.1985 in das Unternehmen einzusteigen. Im Jahr 1988 begann meine damalige Freundin, heutige Ehefrau, im Haus am Königsmoor[I2]  ihre Ausbildung. Für die Leitung des Unternehmens absolvierten meine Frau und ich abschließend eine Ausbildung zur Heimleitung.

 

Als verantwortliche Heimleitung waren wir bestrebt, unser Angebot möglichst vielfältig zu gestalten. Durch ’Essen auf Räder’, das Babyschwimmen sowie ein Kiosk mit Cafeteria war fortan reger Verkehr und viel Besuch auf dem Hof unterwegs. Zudem wurde der Gartenbereich mitsamt einer Vogelvoliere und einer Pferdestallung zu einer kleinen Parkanlage gestaltet.

 

Durch die Abhängigkeit von der Nachfrage der Bremer Bürger, die sogenannte Bremer Landeskinderregelung (keine Bremer Bürger sollten in das niedersächsische Umland ziehen), wurde die Belegung des Hauses immer schwieriger. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, ein komplett neues Haus an einem anderen Standort zu errichten. Da die Stadt Gehrden zu dem damaligen Zeitpunkt einen Heimbetreiber suchte, wurde nach einer Besichtigungstour des Gehrdener Stadtrates im Haus am Königsmoor die Planung des Haus Gehrden begonnen.

 

Die zahlreich gesammelten Erfahrungen aus dem Haus am Königsmoor in Oyten konnten in Gehrden gut eingesetzt werden, z.B. großzügig gestaltete Doppelzimmer mit ca. 32m² (Heimmindestbaustandard 18 m²) inkl. Nasszelle, zzgl. jedes Zimmer mit Balkon, viele Sitzzonen und Aufenthaltsräume sowie ein Therapiebereich. Am 1. März 1990 wurde der Grundstein gelegt und am 1. Juli 1991 konnte das Haus Gehrden seinen Betrieb mit 128 Plätzen aufnehmen.

Damit die beiden Häuser auch in der nächsten Generation verantwortungsbewusst und erfolgreich geführt werden, haben mir meine Eltern Mitte 1993 die Geschäftsleitung übergeben. Diese üben meine Frau und ich seitdem mit Herz und Leidenschaft aus. Um unseren Bewohnern sowohl im Haus am Königsmoor als auch im Haus Gehrden stets ein hohes Maß an Qualität bieten zu können, wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Veränderungen in beiden Häusern geplant und umgesetzt.

 

Im Haus am Königsmoor wurden 1995 im Haus 2 die Zimmer vergrößert, neue Dienstzimmer und Funktionsräume geschaffen sowie etliche Doppelzimmer zu Einzelzimmern umgebaut. Dadurch reduzierte sich die Anzahl der Plätze von 142 auf 111. 2011 wurde die Tagespflege eröffnet, bei der wir 15 Kunden mit fachspezifischem Personal von montags bis freitags betreuen können. 2012 erfolgte die Umstellung der Papierdokumentation auf die elektronische Dokumentation, damit sich die Pflegekräfte durch die eingesparte Dokumentationszeit noch intensiver um die Bewohner kümmern können.

Zum 01.03.2013 wurde das Nachbarheim vom Haus am Königsmoor, das ‚Haus Esselmann’, mit seinen 32 Bewohnern übernommen. Nach einer kurzen Phase des Kennenlernens umsorgen wir die uns anvertrauten Bewohner mit Herz und Leidenschaft. Die notwendigen, umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten, wie z.B. die Herstellung des Brandschutzes, wurden umgehend begonnen und dauern bis heute an.

 

Das Haus Gehrden erfüllte Anfang 2001 nicht mehr die von uns gestellten Qualitätsanforderungen, sodass ich gemeinsam mit meiner Frau beschlossen habe, die Leitung vor Ort durch meine persönliche Anwesenheit ab dem 15.07.2001 zu stärken. Durch erhebliche Kraftanstrengungen und einem uns selbst auferlegten Aufnahmestopps gelang es uns, mit Hilfe des Teams aus dem Partnerhaus Haus am Königsmoor innerhalb kürzester Zeit die Qualität auf ein sehr gutes Niveau anzuheben. Die Pflegebereiche wurden komplett renoviert, Ablaufprozesse überarbeitet und neue, fachspezifische Mitarbeiter zahlreich eingestellt.

2007 übernahm ich vorübergehend die Küchenleitung, optimierte auch hier sämtliche Ablaufprozesse, schaffte die Basis für mehr selbst hergestelltes Essen und legte zusätzlich den Fokus auf mehr Service. Mit der dann neu eingestellten Küchenleitung kann das Konzept seitdem umgesetzt werden. 2009 wurde die aufwendige Papierdokumentation in der Pflege auf die elektronische Dokumentation umgestellt.

 

Im Jahr 2011 wurde der Therapiebereich saniert und zu einer Wellnessoase mit einem Therapiebecken mit Gegenstromanlage und Lichttherapie, einem Gymnastikraum, einem Massageraum mit Wärme-behandlung, einem Gesellschaftsraum, einem Filmtheater sowie einer Relaxzone umgestaltet. Für die zusätzlichen Angebote unter dem Motto „Fit für Zuhause“ wurden drei neue Mitarbeiterinnen, zwei Physiotherapeutinnen und eine Ergotherapeutin, eingestellt. Anfang 2013 konnten ein Zahnarzt-Praxisraum sowie ein Kochstudio eingerichtet werden. 2014 haben wir nun unsere großzügige Gartenanlage mit einem Hochbeet und mit  vielen gelegenheiten zum verweilen neu gestalltet.

 

Unsere beiden Heime befinden sich in einem permanenten Zustand der Anpassung, Sanierung, Renovierung und der Einführung von Innovationen. Besonders wichtig ist es, diese Räumlichkeiten mit Offenheit, Wärme, Fachwissen und Liebe zu füllen. Dieses kann nur mit einem Höchstmaß an engagierten und motivierten Teams gelingen.

 

Heute können wir mit engagierten, motivierten Mitarbeitern im Haus am Königsmoor 134 und im Haus Gehrden 128 teils pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause mit einem hohen Maß an Qualität und Service bieten. Dabei stehen das Wohl der Bewohner und ihr Recht auf Entscheidungsfreiheit bei uns an oberster Stelle.

 

Unser Sohn hat die Entscheidung getroffen, gemeinsam mit uns, die große Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Nach der abge-schlossenen Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen im Haus am Königsmoor, wird er demnächst die Weiterbildung zur Heimleitung absolvieren.

Für die Zukunft der beiden Heime haben wir noch etliche Ideen zur Veränderung des Heimbetriebes. Lassen Sie sich überraschen!

 

Thomas Hust

Oyten, im Januar 2014


 
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